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Parodontose

früher: Paradentose; laienhaftes Schlagwort für lockere Zähne mit freiliegenden Zahnhälsen. Korrekt ist es nur vergleichbar mit dem alters- oder funktionsbedingten Rückgang (s.o.) des Zahnhalteapparates.

Behandlungsmethoden

Eine perfekte Mundhygiene ist unverzichtbar für jegliche Therapie. Ein Wundermittel wie "Periostat® - Pille gegen Zahnausfall" ersetzt diese unter keinen Umständen!
Die meisten Zahnfleischerkrankungen verschwinden schon bei einer gründlichen Reinigung des (sichtbaren) Zahnes. Leider ist ein großer Teil der Bevölkerung nicht zu einer guten Mundhygiene zu bewegen. So sind auch die statistischen Aussagen, daß ein Großteil der Zahnfleischerkrankungen unbehandelt bleibt, zu erklären: es liegt nicht an den ärztlichen Möglichkeiten, sondern an der Motivation der Patienten und - zusätzlich auch noch - längst überholten Behandlungsverträgen mit den Gesetzlichen Krankenkassen!
 
Die Behandlung ist primär immer auf eine Entfernung der die Erkrankung verursachenden Keime ausgerichtet. Gerade die Konkremente - gleich, ob sie überhalb (in Form von Zahnstein) oder unterhalb des Zahnfleisches liegen - bilden für Bakterien einen idealen Nährboden: 36°C Mundtemperatur, ein feuchtes Milieu und Nährstoffe in Hülle und Fülle. Aus diesem Grund steht eine Entfernung dieser Ablagerungen an oberster Stelle.
Bei Laien besteht häufig die Vorstellung, daß eine Behandlung von Zahnfleischerkrankungen eine umfangreiche, (schmerzhafte) Operation beinhaltet. Dies mag früher generell so gewesen sein, trifft aber heute dank andere Techniken und Materialien für viele Formen von Zahnfleischerkrankungen nicht mehr zu. Es zeichnet sich in den letzten Jahren ein Wandel ab:
 
Wurde früher fast ausschließlich "blutig" (mittels umfangreicher Zahnfleischoperation; siehe z.B. unter GTR) behandelt, bewirken neue Behandlungsmethoden und Instrumente (==> Scaling) - je nach Krankheitsbild - zunehmend eine Therapie, bei welcher das Zahnfleisch nicht aufgeschnitten werden muß. Vielmehr werden die Verunreinigungen in der Tasche und an der Zahnwurzel über die Tasche selbst entfernt. Vorteile dieser Methode ist die raschere Heilung und die fast völlige Schmerzlosigkeit nach dem Eingriff. Man bezeichnet dieses Vorgehen als sog. 'Erhaltungstherapie' im Rahmen einer systematischen Parodontalbehandlung.
 
Da etwa 10-15% der Parodontitis mit den konventionellen Methoden nicht zufriedenstellend behandelt werden kann, werden in diesen Fällen zusätzlich heute zunehmend spezielle Antibiotika (Doxycyclin, Metronidazol, Tetrazycline) in die Zahnfleischtaschen eingebracht oder allgemein verabreicht. Nachteil jeder "normalen (systemischen)" oralen Einnahme von Antibiotika ist eine nur geringe Konzentration und damit Wirkung in den Zahnfleischtaschen. Von den bekannten Nebenwirkungen einer systemischen Antibiotikagabe ganz zu schweigen.
Die lokalen Antibiotikagaben können entweder durch entsprechende Spülungen oder Gelees bzw. Salben erfolgen. Im letzten Jahr sind neu getränkte Antibiotikafäden (Actisite®) auf dem Markt erschienen, welche über etwa eine Woche in die Zahnfleischtasche eingelegt und mit Gewebekleber fixiert werden. Vorteil dieser Methode ist die kontrollierte und ausreichend hohe Abgabe des Medikamentes über mehrere Tage in die erkrankte Zahnfleischtasche; Nachteil der bisher durch nichts gerechtfertigte Preis (ca. 80.- DM pro Zahnfleischtasche).
Ebenso ist eine Antibiotikatherapie bei einem kurz nach der Ausheilung (= keine sog. "Leitkeime" mehr nachweisbar) auftretendem Rezidiv angezeigt.
 
Man erreicht mit den beiden vorgehend beschriebenen Maßnahmen einen Stillstand der Behandlung. Bereits verloren gegangene Teile des Zahnhalteapparates können nicht zurückgewonnen werden.
Weiterhin dienen diese Maßnahmen als Vorbehandlung für größere parodontal-chirurgische Eingriffe (sog. Zahnfleischoperationen).

Die Behandlung selbst findet unter örtlicher Betäubung vorwiegend ambulant in einer Zahnarztpraxis oder Klinik statt. 

Zusätzlich können ein Einschleifen des Gebisses, eine Schienung der Zähne und Erneuerungen alter Füllungen, Kronen und Brücken notwendig sein. 

Nach Abschluß der Parodontalbehandlung ist eine regelmäßige Kontrolle der parodontalen Verhältnisse (= Recall) zwingend nötig, um ein Nachlassen der Hygienebemühungen des Patienten zu unterbinden und wieder neu aufkeimende Erkrankungen frühzeitig zu behandeln.

 
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