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Viele Zahnzusatz-Policen lohnen sich nicht

Die Zeitschrift "Finanztest" hat 140 Tarife unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist erschreckend. Die Verträge sind oftmals kompliziert und undurchsichtig. Erst im Leistungsfall zeigt sich, was sie wirklich taugen. Nur drei der 140 Tarife erhalten das Prädikat "sehr gut".

Wer für den Zahnersatz nicht zu tief in die Tasche greifen will, sollte bei der Versicherungsprämie nicht geizen. Die günstigen Tarife liegen beim Leistungsumfang ganz hinten.


Private Zahnzusatzversicherungen sind einer der großen Verkaufsschlager der Versicherungsbranche. Gut elf Mio. Bundesbürger besitzen eine entsprechende Police. Doch bei weitem nicht jede Zahnzusatzversicherung hält, was sie verspricht. „Viele Angebote bieten nur geringe Leistungen“, sagte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“ in Berlin.
Die Versicherungsexperten der Zeitschrift haben 140 Zahnzusatzversicherungen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Gerade einmal drei Tarife erhielten von den Testern die Note „sehr gut“: die central.prodent der Central Krankenversicherung, die ZG der Barmenia Krankenversicherung und die Tarifkombination flexiZEtop+ZB der Schweizer Gesellschaft CSS. „Die Unterschiede bei den Leistungen der Zahnzusatzversicherungen sind enorm“, erklärt Stephan Kühlenz, Leiter der Abteilung Finanzdienstleistungen bei „Finanztest“. Ein Beispiel: Bei einer vollverblendeten Metall-Keramik-Krone liegt der Eigenanteil des Versicherten bei 347 Euro. Eine „sehr gute“ Versicherung erstattet in diesem Fall immerhin 307 Euro, eine weniger gute gerade einmal 41 Euro. Doch keine der getesteten Versicherungen deckt die kompletten Kosten jeder Behandlung ab.

„Die Verträge sind kompliziert und undurchsichtig“, sagte Tenhagen. Daher würden viele Versicherte erst im Leistungsfall merken, wie wenig die Versicherungsgesellschaft tatsächlich zahlt. Während die Unterschiede bei den Leistungen gravierend sind, machten die Experten bei den monatlichen Beiträgen nur geringere Unterschiede aus. „Sehr gute“ Zahnzusatzpolicen gibt es für einen 43-jährigen Mann bereits ab 19 Euro für Männer bzw. ab 24 Euro für Frauen. Tarife, die die Experten mit „gut“ bewerteten, erhalten Kunden bereits ab zwölf bzw. 13 Euro im Monat. Auch wenn die teuersten Angebote nicht immer die leistungsstärksten waren, lag der preiswerteste Tarif für drei Euro im Monat auch bei den Leistungen ganz hinten.
 
Gesetzlich Versicherte sollten bei der Wahl einer Zahnzusatzversicherung nicht einfach das Angebot abschließen, das ihnen von ihrer Kasse angeboten wird. „Viele BKKs, IKKs sowie etliche Ersatzkassen und AOKs vermitteln zumindest teilweise Tarife, deren Leistungen nur ausreichend sind“, sagte Tenhagen. Daher lohnt es sich durchaus, auch einen Blick auf die Angebote der privaten Versicherungsgesellschaften zu werfen und Konditionen und Leistungen zu vergleichen.

Vor allem bei aufwendigem Zahnersatz mit hohem Eigenanteil rechnet sich eine Zusatzversicherung. Seit 2005 zahlen die Kassen nur noch einen Festzuschuss. Dieser richtet sich nicht nach den Kosten, sondern lediglich nach dem zahnmedizinischen Problem. Patienten, die bei der Behandlung höherwertige Materialien wählen, müssen einen Großteil der Kosten aus der eigenen Tasche zahlen.
Bevor Patienten einen Vertrag unterschreiben, sollten sie darauf achten, worauf sich die Leistungsangabe der Gesellschaft bezieht. „Ein Tarif, dessen Leistung 100 Prozent des Kassen-Festzuschusses beträgt, leistet insgesamt weniger als ein Tarif, der 50 Prozent des Gesamtrechnungsbetrags zahlt“, sagte Tenhagen. Auch sollten Verbraucher überprüfen, ob die Versicherung nicht nur für Kronen und Brücken, sondern auch für Inlays und Implantate zahlt.

Relevant für die Beitragsentwicklung ist zudem, ob sich der Tarif nach Art der Lebens- oder aber nach der Schadenversicherung kalkuliert. Ist der Tarif nach Art der Lebensversicherung berechnet, richtet sich die Höhe der Prämie nach dem Eintrittsalter des Kunden. Diese bleibt dann konstant – es sei denn, die tatsächlichen Ausgaben steigen. Anders verhält es sich bei Tarifen, die nach Art der Schadenversicherung berechnet werden. Bei diesen Tarifen kann der Beitrag mit zunehmendem Alter des Kunden steigen. Das ist bei den „sehr gut“ getesteten Tarifen etwa bei dem der CSS der Fall.


Quelle:    www.welt.de     Barbara Brandstetter  19. November 2008

Zum Test geht es hier

 
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